Samstag, 8. Juni 2013

Biene Maja Invasion

Hilfe, es summt!

Diese Woche wollen es die Wildtiere aber von uns wissen. Jetzt ist gerade erst das Rotkehlchen ausgeflogen, da summt es plötzlich wie verrückt in unserem Hof. Wir folgen dem Geräusch und stoßen auf einen Bienenschwarm, der offenbar ein neues Zuhause sucht. In der äußeren Wand des ehemaligen Pferdestalls - seit dem Ausbau sind darin unsere OP-Vorbereitung und die Stationskäfige untergebracht - sind nämlich zwei etwa 10 x 10 cm große Löcher. Die Löcher enden in der Isolierung und dann erst kommt die von innen vorgemauerte neue Wand.

Tja, was soll ich sagen? Wir sehen ca. 100 Bienen, die wild durcheinander fliegen und in einer erstaunlichen Lautstärke brummen. Sie fliegen in einem der Löcher ein und aus und sind offenbar sehr aufgeregt.
Biene Maja Invasion

Hilfe, was tun? Ich rufe einen hiesigen Imker an, der sich auch dem Hymenopterenschutz verschrieben hat. "Hymeno-...." was? Fragen Sie sich jetzt vielleicht. Also: der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet in seine Bestandteile zerlegt: hymen: Haut und pteros: Flügel - kurz Hautflügler. Das ist in der Biologie die Gruppe der Insekten, zu denen eben z.B. die Bienen, Wespen und auch die Ameisen gehören. In unserem Fall Honigbienen, also Apis mellifica.

Leider hat der Fachmann für unser Problem auch keine Patentlösung. Er stellt aber fest, dass es sich bei unseren Bienen, die auffallend braun gefärbt sind, wohl um eine jugoslawische Art handelt, die bei den hiesigen Imkern beliebt ist und dafür bekannt ist, sehr friedlich zu sein. Na, das ist ja schonmal erfreulich :-)

Wahrscheinlich hatte sich das Volk eines Imkers gut vermehrt und sich eine zweite Königin entwickelt. Dann teilt sich nämlich das Volk auf, eine Königen "schwärmt" mit einem Teil des Volkes aus und das Volk entsendet sog. Spurbienen um einen neuen Nistplatz zu suchen. Die zweite Königin verbleibt mit einem Teil des Volkes im Bienenstock. Das passiert um diese Jahreszeit (Frühsommer) wohl öfter. Verjagen kann man sie nicht, man könnte die Königin einfangen und das Volk würde ihr dann folgen. Leider kommt man in unserem Fall nicht an die Königin heran, die vermutlich irgendwo in unserer Isolierung sitzt :-( Vielleicht sind es aber ja auch nur die Spurbienen und sie ziehen wieder ab, da ihnen unser "Nistplatz" nicht passt.

Vergiften - die einzige wirksame Methode, die der Fachmann vorschlug - wollen wir die armen Bienen jedenfalls nicht. Wenn sie sich tatsächlich friedlich verhalten und nur ihr Nest bauen, Honig sammeln und uns sonst nicht belästigen, dann dürfen sie halt bleiben. Der Fachmann meinte allerdings, dass sie im Winter keine Chance hätten, zu überleben.

Hmmh, lecker Lindenhonig

Ich bin gespannt, ob sie bleiben. Wenn ja, werden sie sich in den nächsten Tagen freuen: dann blüht nämlich unsere Hoflinde und der ganze Hof duftet herrlich. Da kommen uns jedes Jahr viele  Bienen besuchen. Dieses Jahr vielleicht sogar unsere neuen Untermieter. Schade nur, dass wir nicht an den Honig rankommen. Lindenblütenhonig oder Lindenhonig (der mit dem Honigtauanteil) sind nämlich seeeehhhhhhr lecker. 

Das nächste Problem ist, dass meine Helferin gerade festgestellt hat, dass es irgendwie auch in der Praxis summt. Sie ist dem Geräusch gefolgt und hat herausgefunden, dass die Bienen sich offenbar so weit durch die Isolierung gearbeitet haben, dass sie jetzt im Sicherungskasten der Praxis angekommen sind :-(

Verflixt! Schnell die Tür wieder zu. Aber, was machen wir denn jetzt. Hat jemand einen klugen Tipp für mich? Hilfe - Biene Maja und ihre Freunde werden langsam aufdringlich.