Dienstag, 18. Juni 2013

Hund oder Urlaub

Sachen gibt es, die kann man kaum glauben:

Da bekomme ich letztens einen Hund vorgestellt, der neu bei einer Familie eingezogen ist, und muss doch sehr staunen. Der Hund ist ein vierjähriger, reinrassiger Golden-Retriever-Rüde. Sehr nett und umgänglich. Leider aber auch ziemlich dünn. Die neuen Beistzer erzählen, dass sie den Hund von einer Tierschutzorganisation bekommen haben, die ihn aus Spanien importiert hat. Soweit noch nichts Besonderes, aber ... dieser Hund wurde in Spanien streunend aufgefunden, und er hatte einen Mikrochip. Der Mikrochip war auf eine Familie in Deutschland registriert. Dank internationaler Vernetzung der Haustierregister (z.B. Tasso e.V.) und der Länderkennung im Chip war das schnell zuzuordnen. Die Besitzer wurden benachrichtigt, dass ihr Hund gefunden wurde, und da stellte sich heraus, dass sie ihn gar nicht vermissten. Ja, sie hatten einfach nicht mehr genug Geld für seine Versorgung gehabt und ihn deshalb kurzerhand im Spanienurlaub laufen lassen. Das ist Aussetzen und zumindest in Deutschland strafbar. Immerhin gibt es ein Tierschutzgesetz, von der Moral mal ganz abgesehen.

Einfach ungeheuerlich!

Dass man Tiere nicht aussetzt, sollte inzwischen doch bekannt sein, und dann auch noch in Spanien, wo es so schon sehr viele Streuner gibt. So viele, dass man ihrer nicht Herr werden kann. Wo die Wertschätzung für Hunde so gering ist, dass die Streuner unter jämmerlichen Bedingungen leben ... Und dann, warum überhaupt aussetzen? Schließlich gibt es in Deutschland doch die Möglichkeit, den Hund zu vermitteln, bei einem jungen Rassehund wie hier, könnte man ihn vielleicht sogar für ein paar Hundert Euro verkaufen. Auch die meisten Tierheime übernehmen Hunde und vermitteln diese, wenn sich ihr Besitzer von ihnen trennen muss. Stattdessen wurde der arme Kerl einfach mitten im Nirgendwo ausgesetzt und musste selber sehen, wie er zurechtkommt.

Zum Glück ist der Goldie jetzt wieder in festen Händen und wird erstmal aufgepäppelt, denn auf seiner einsamen Wanderschaft in Spanien hat er gewaltig abgenommen.

Meine Helferinnen meinten übrigens spontan: wenn es nicht fürs Hundefutter reicht, wieso dann für eine Urlaubsreise? Nun, man muss wohl Prioritäten setzen im Leben, und in diesem Fall stand der Hund wohl deutlich hinter der Urlaubsreise :-(