Dienstag, 16. April 2013

Es war einmal ... das Praxishandy

Tierarztpraxen bieten vielerorten einen Vertretungs- oder Bereitschaftsdienst an den Wochenenden und Feiertagen an. So auch in unserer Region. Zusammen mit sieben weiteren Praxen ist einer von uns am Wochenende für dringende Fälle erreichbar. Soweit so klar.
Zu diesem Zweck gibt es eine äußerst nützliche neuzeitliche Erfindung, der ich mich nicht verschließen konnte (um es mit dem Paten zu sagen: "Ich habe hier ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können ..."): das Mobiltelefon oder auch Handy! Doch das Ding hat seine Tücken.

Es war einmal ... das Praxishandy:

Mist: Kein Empfang!
In grauer Vorzeit, also 2001, hatte ich einen Telefonvertrag mit T-Mobile. Den habe ich aber bald wieder gekündigt, weil damals der Empfang von D1 in Berstadt und insbesondere innerhalb meiner Praxisräume und meines Wohnhauses indiskutabel war (wir reden hier vom dunklen Zeitalter des Mobilfunks, als die Netzabdeckung noch ein Thema war). Da der Empfang auch noch schwankte, hatte ich ständig die Befürchtung, einen Anruf zu verpassen.  Das Telefon hatte oftmals nur Empfang, wenn es auf der Fensterbank im Schlafzimmer im ersten Stock lag ... etwas unpraktisch auf die Dauer.


Mitsamt meiner Telefonnummer bin ich dann zu O2 gewechselt; das war empfangsmäßig eine wesentliche Verbesserung, zumindest im Wohnhaus hatte ich jetzt immer Empfang. Die Mitnahme der Telefonnummer (gilt übrigens auch für Prepaid-Karten) ist seit langem gesetzlich geregelt, der Mobilfunkkunde hat ein Recht darauf, seine Nummer zu einem neuen Anbieter mitzunehmen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt für mich, denn viele Tierbesitzer und die Kollegen kennen meine Handynummer. Die zu ändern wäre ein größeres Problem. Das kostet zwar ein paar Euro, aber mir schien das Geld gut angelegt.

Die Mitnahme der Nummer zu O2 war auch kein großes Problem, und ich war lange Zeit zufriedener Kunde.

Irgendwann letztes Jahr wurde es mir dann lästig, als plötzlich mein Vertrag einseitig umgestellt wurde auf irgendeinen komischen Kram mit Mindestumsatz, so dass ich plötzlich fast doppelt so viel zahlen sollte wie vorher. Ich hab's auch verbummelt, mich zu kümmern. Naja, Pech gehabt.

Mittlerweile gibt es Verträge ohne Grundgebühr bei verschiedenen Anbietern, so dass ich beschloss, weiter zu ziehen. Da hatte ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht! O2 scheint mich nicht so ganz leicht ziehen lassen zu wollen!

Das fing damit an, dass eine Kündigung per Email zwar möglich zu sein scheint, aber nur, wenn man eine ominöse "PIN" kennt, die auf dem "Begrüßungsschreiben" enthalten ist. Nur: wer hebt so ein Begrüßungsschreiben zehn Jahre lang auf?

Oh wei, O zwei
Danach suchte mein Mann auf der Website ein Kündigungsformular. Nicht auffindbar! Ein Schelm, wer Böses denkt ... Sie kennen den Spruch. Also telefonisch nachgefragt und bei einer sehr affektiert sprechenden Callcenterdame ein Kündigungsformular angefordert. Die Dame war so mißtrauisch, dass sie am Telefon was forderte, um das Formular - wohlgemerkt an die bei O2 bekannte Emailadresse - zu schicken? Na was wohl? Die PIN! Komischerweise ist O2 bei seiner Werbung da weniger mißtrauisch, die kommt nämlich regelmäßig per Mail. Erstaunlicherweise gab die Dame sich dann nach einigen ärgerlichen Worten doch noch mit meinem Geburtsdatum und der Emailadresse zufrieden und ich erhielt ein Formular, mit dem ich dann per Fax noch am selben Tag kündigte. Interessant eigentlich, dass ein Fax rechtlich glaubwürdiger sein soll als ein Telefonat, bei dem ich mich mit Geburtsdatum etc. identifizieren kann.

Ich hatte gehört, dass es vor einiger Zeit wohl eine Gesetzesänderung gab, wonach man eine Rufnummer auch vor Vertragsende zu einem neuen Anbieter umziehen kann. Nach diesem ganzen Ärger wollte ich unbedingt so schnell wie möglich weg von O2. Also: neuen Vertrag abgeschlossen und Rufnummernportierung bei der Frage nach der Wunschnummer angegeben.

Am nächsten Tag dann die Ernüchterung: die Rufnummernportierung wurde von O2 abgelehnt, weil die übermittelten Daten nicht 100-prozentig zusammenpassen. Ich hatte wahrheitsgemäß "Geschäftskunde" und meinen Praxisnamen angegeben. Bei O2 wurde ich auf der Website zwar als Geschäftskunde begrüßt, aber mein Status ist dort als "Selbständig" eingetragen und meine Kundendaten enthalten nur meinen Namen, aber nicht die Praxisbezeichnung. Auch das musste ich mal wieder in der Hotline mühsam selbst herausfinden.

Rein zufällig hat der Mitarbeiter im Callcenter von O2 noch erwähnt, dass ich dem neuen Anbieter bei der Rufnummernmitnahme die PIN mitteilen müsste, damit der die an O2 übermitteln kann als Beweis der Rechtmäßigkeit. AAAAAAHHHHHHH!!!!!

Dann wurde ich am Telefon nochmals weiterverbunden mit dem Hinweis, eine andere Fachabteilung könnte die Kunden-PIN am Telefon ändern. Das entpuppte sich als Ente, es ist nur möglich, das zu tun, wenn man was weiß? Sie erraten es: die alte PIN ist nötig. Nicht einmal die Tatsache, dass meine Festnetz-Telefonnummer zur Adresse passt, und ich sogar auswendig mein Geburtsdatum aufsagen konnte (das ist schon eine Leistung in meinem Alter, sag ich Ihnen!), hat das Callcenter erweichen können!

Ich bekäme jetzt postalisch meine alte PIN zugeschickt. O2 scheint mir als Kunde extrem zu mißtrauen. Offenbar gibt es eine Telefon-Mafia, die willenlos Verträge kündigt, um ... ja um was eigentlich? Wer kündigt denn spaßeshalber anderer Leute Telefonverträge? Na ja, was ich jetzt genau mit der alten PIN machen soll, wenn sie denn mal käme, werde ich dann schon noch herausfinden.

Angeblich wurde die Versendung der PIN am Freitag  vorletzter Woche in die Wege geleitet. Am Montag war sie noch nicht in der Post. Am Mittwoch reklamierte ich telefonisch, und angeblich verließ der Brief O2 genau an diesem Tag. Am Samstag (also inzwischen zwei Wochen später) ist immer noch keine PIN in der Post. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn der neue Anbieter war wesentlich effektiver in seiner Fehlerbehebung: auf eine Email hin wurde mein Firmenname entfernt, der Portierungsvorgang neu angestoßen und jetzt meldet die Statusseite im Web, dass meine neue SIM-Karte mitsamt der gewünschten Rufnummer am 17.04. zur Verfügung steht. Offensichtlich wurde also diese ominöse PIN zur Portierung doch nicht gebraucht und O2 wollte mich nur noch ein bißchen mehr schikanieren. Anders kann ich mir nicht erklären, dass drei verschiedene Mitarbeiter im Call-Center drei verschiedene Aussagen tätigen, was ich tun oder nicht tun muss.

Die neue SIM-Karte ist  am Samstag eingetroffen. Ich bin gespannt was mein Praxis-Handy noch alles erleben wird. Denn wenn es nicht gestorben ist, dann lebt es noch heute ...

PS:
Ich halte Sie gerne weiter auf dem Laufenden in dieser spannenden Geschichte, versprochen ;-)