Sonntag, 24. Februar 2013

Das 7. Gebot - wie erklär ich's meinem Hund?

Den Spruch von den diebischen Elstern kennt jeder, aber es gibt auch viele diebische Hunde. Das verstösst nun eindeutig gegen das 7. Gebot - Du sollst nicht stehlen. Nur: wie erklärt man das seinem Hund? Es wäre ja auch alles halb so wild, wenn da nicht oftmals des Leben des Hundes auf dem Spiel stünde. Wie, gleich die Todesstrafe? Nein, natürlich nicht, aber vieles, was man, äääh ... Hund so klaut, ist echt gefährlich für ihn. Es folgen ein paar Beispiel, wie immer aus dem echten Tierarztleben.

Bevor ich 2001 meine Praxis eröffnet habe, habe ich einige Jahre als angestellte Tierärztin in der Uni-Tierklinik gearbeitet. Da hatten wir damals einen Patienten, der wegen seiner Kleptomanie gleich dreimal bei uns behandelt werden musste. Jonathan hieß der Kerl, ein stattlicher Bursche mit Schäferhund- und Rottweilerblut in seinen Adern, und dem Gemüt eines Schoßhundes - ein echter Hundeschatz. Jonathan neigte aber dazu, alles was nicht niet- und nagelfest war, aus Mülleimern, von Komposthaufen und woher auch immer zu klauen und zu verschlingen. Zweimal schon hatte er dabei nicht nur Eßbares, sondern auch Fremdkörper erwischt. Durch intensive gemeinsame internistische und chirurgische Aktion hatten wir ihn beide Male wieder auf die Beine bekommen. Einmal hatte er Knochenreste gefressen, die sich im Enddarm verklemmt hatten und diesen regelrecht aufschlitzten, das war damals knapp gewesen. Leider waren aber die Schäden am Darm so groß, dass sich Narben bildeten. Die sind dann nicht so elastisch und manchmal neigen sie dazu, sich weiter zusammenzuziehen. Jonathan hatte deshalb eine Engstelle im Enddarm, durch die nur noch weicher Stuhl hindurchgelangen konnte. Die Besitzer hatten das gut im Griff und gaben entsprechende Diät. Nur 1/4 Jahr nach der letzten OP war er wieder da. Diesmal war es ein komplettes Rollbratennetz, das vor und in der Engstelle festklemmte. Eine weitere OP kam nicht in Frage und so versuchten wir in studenlanger Kleinarbeit endoskopisch das vermaledeite Netz aus dem Hund zu schaffen. Nachdem das größtenteils gelungen war, mussten wir leider feststellen, dass der darunterliegende Darm neue massive Schäden aufwies. Jonathan musste eingeschläfert werden. Wir waren alle sehr betroffen.

An den Fall musste ich nun wieder denken, denn auch bei mir in der Praxis habe ich eine Hündin, die einen echten Hang zum Diebstahl zeigt. Sugar heißt die junge Dame mit dem Hang zur Beschaffungskriminalität. Einmal war sie schon bei mir, nachdem sie einen kompletten Zwiebelkuchen, der zum Auskühlen auf dem Tisch stand, verschlungen hatte. Naja, das gibt doch höchstens Blähungen und Mundgeruch, denken Sie jetzt vielleicht. Leider ist dem nicht so! Zwiebeln enthalten einen Inhaltsstoff, der bei Hunden schwere Vergiftungssymptome bewirken kann: N-Propyl-Disulfid zerstört die roten Blutkörperchen, und das wird ganz schnell lebensgefährlich. Sugar war zum Glück auf frischer Tat ertappt worden und durch ein Brechmittel konnten wir den Zwiebelkuchen wieder herausbefördern, und das wars.

Zwiebel: enthält für Hunde giftiges N-Propyl-Disulfid
 Jetzt riefen die Besitzer wieder an, denn sie hatte Schokolade geklaut. Und? Tja, da hatte sie gleich wieder etwas für Hunde Giftiges erwischt: Kakao enthält Theobromin. Theobromin wirkt ähnlich wie Koffein, beim Hund aber ganz extrem, Herzrasen, Nervensymptome u.A. können bis zu Krampfanfällen und zum Herzstillstand führen. Dabei gilt: Je dunkler die Schoki, desto gefährlicher. Da wir nicht genau wussten, wie lange die Aufnahme der Schoki schon her war, wurde sie zur Überwachung in die Klinik eingewiesen. Dort wurde sie an den Tropf gehängt und mit Medikamenten versorgt. Sugar entwickelte tatsächlich leichte Vergiftungssymptome. Zum Glück nur leichte. Das ganze hat auch noch eine neue Dimension erreicht, seit ein paar Wochen gibt es nämlich noch einen zweiten Hund in der Familie, und raten sie mal! Ja, genau! Dieser ist gleich bei Sugar in die Lehre gegangen und durfte die Nacht mit in der Klinik verbringen. Für die Nerven und das Portemonnaie der Besitzer ist das langsam nicht mehr lustig.
Schoki: enthält für Hunde giftiges Theobromin
Wenn Sie sich informieren wollen, was es so alles Giftiges für Hunde in Haus und Garten gibt, kann ich Ihnen folgenden Link empfehlen. Wenn Ihr Hund etwas gefressen hat, und sie unsicher sind, macht das was, und wenn ja was, dann ist folgender wissenschaflticher Link der Züricher Uni super, auch für Laien!


Zum Schluß noch eine Mini-Geschichte zum Thema "Klauen". Wir haben in der Praxis einen Berner-Sennenhund, der es innerhalb seines ersten halben Lebensjahres (!) geschafft hat, zweimal Schotter zu fressen. Das sieht dann auf dem Röntgenbild aus, als wolle er die Titelrolle im Märchen vom "Wolf und den sieben Geißlein" spielen. Nach zwei OPs, die mit einem kürzeren Klinikaufenthalt verbunden waren, hat Herrchen jetzt einen Laster Teer bestellt und den Hof planiert. Seitdem ist RUHE! Manchmal kann die Lösung recht einfach sein :-)

Update:

So, 24. Februar 2013, 21:45 Uhr: Bereits wenige Stunden nach dem Einstellen des Posts haben mich schon DREI Anfragen erreicht, in denen sich Tierbesitzer darüber wunderten, dass Zwiebeln giftig sind. Das gilt übrigens auch für Knoblauch, das darin enthaltene Allicin wirkt ähnlich. Tja, an der Reaktion sehe ich, dass ich da ja wohl einen Nerv getroffen habe! In Ergänzung zu dem Link für Hunde möchte ich daher noch den zur Infobroschüre für Katzen nachreichen. Sie heisst "Unverträgliches und Giftiges für Katzen" und ist ebenfalls auf der Seite der Firma MSD zu finden.