Montag, 18. Februar 2013

Lebensmittelskandale (Pferdefleisch in der Lasagne) - Auswirkungen auf die Kleintierpraxis

Alle paar Jahre ein schöner Lebensmittelskandal, da kann einem als Verbraucher schon der Appetit vergehen! Man fragt sich, wo sind sie denn, die tollen Kontrollen der Behörden, und wo ist die firmeninterne Kontrolle der großen Unternehmen? Z.B. Edeka wirbt ja bewusst mit dem Slogan "Wir lieben Lebensmittel". Auch wir haben einen Edeka-Markt im Ort, die dortigen Angestellten und auch der Chef dort finden das auch nicht lustig.

Klar sind wir Verbraucher ein Stück weit selbst schuld: wir wollen es ja immer möglichst billig. Das ist aber keine Entschuldigung für Lug und Betrug! Wenn die Lasagne auch bei "gut&günstig" eben 50 Cent mehr kostet, aber dafür das drin ist, was auch drauf steht, dann wäre das ja auch okay, selbst für die Sparsamsten unter uns.

Regionale Vermarktung ist da sicher hilfreich, denn der nette Metzger um die Ecke wird mich nicht so schnell mit falschen Etiketten betrügen. Aber auch der Metzger bekommt natürlich Rohware geliefert, oder es werden Spezialitäten wie Serrano-Schinken, oder Italienische Mortadella, importiert. Das ist schon recht vertrackt.

ICH bin kein Lebensmittel!

Als Tierarzt habe ich da aber noch ganz andere Ängste, denn nach jedem Skandal schießen die Gesetzgeber übers Ziel hinaus und machen mir - wohlgemerkt als Kleintierpraktiker - die Arbeit schwerer. Schon heute darf ich legal kaum Medikamente an Kaninchen anwenden.

Leider lohnt es für die Pharmafirmen nicht, eigens für diese Tierart Medikamente zuzulassen. Jede Tierart und jede Indikation müssen eigens belegt und teuer bezahlt werden. Ich darf aber nur Medikamente anwenden, die für die jeweilige Tierart und für die Indikation (z.B. Schnupfen) zugelassen sind, und muss eine aufwändige Dokumentation betreiben. Also Pech, wenn ein Kaninchen krank wird? Nein, denn wenn der Tierbesitzer vorher eine Erklärung unterzeichnet, dass sein Kaninchen nicht zum Verzehr bestimmt ist, dann darf ich "umwidmen". Das gilt übrigens auch für Hunde, Katzen, Meerschweinchen usw. Das heißt: ich kann erstmal ein Medikament z.B. ein Antibiotikum geben, das für eine andere Indikation bei der Tierart zugelassen ist. Wenn es das nicht gibt, dann darf ich ein Tiermedikament verwenden, das für eine andere Tierart zugelassen ist. Bei Schlachtkaninchen geht das nicht so einfach. Da bleibt in dem Fall, dass es kein zugelassenes Medikament gibt, oft der sog. "Therapienotstand" bestehen, die Tiere haben dann wirklich gelitten, bzw. sie werden geschlachtet.

Für die "lebensmittelliefernden Tiere" muss auch genau Buch geführt werden, wieviel Medikament gegeben wurde und wie lange die sog. "Wartezeit" beträgt, das nennt sich dann "Arzneimittel-Anwendungs- und Abgabebeleg", auch muss der Besitzer parallel dazu noch ein "Bestandsbuch" führen. Die Wartezeit ist die Zeit, innerhalb der das Tier nicht geschlachtet werden darf, da mit Rückständen des Medikamentes im Fleisch zu rechnen ist. Das hat bei dem Pferdefleisch in der Lasagne wohl auch nicht so geklappt, oder wie kommt das Phenylbutazon (ein Schmerzmittel) sonst hinein?

Wenn bereits solche banalen Dinge nicht klappen, dann will ich gar nicht wissen, wie die Pferde denn wohl transportiert und geschlachtet wurden. Wenn schon keine Skrupel bezüglich der Deklaration der Lebensmittel bestehen, dann vermutlich auch nicht bezüglich des Tierschutzes im Umgang mit den Schlachttieren.

Die allesamt aus dem Bereich der Lebensmitteltiere herkommenden Gesetze schaffen oft eine ganz schön blöde Situation für mich. Denn nahezu alle meine Kaninchen-Patienten sind Heimtiere, bei denen niemand auch nur im Traum daran denken würde, sie zu schlachten und zu essen. Ich muss jetzt aber nach dem Willen des Gesetzgebers jedesmal einen Kurzvortrag über das Tierarzneimittelgesetz halten, ein Formular ausfüllen und das dann unterzeichnen lassen.

Da ist das Vertrauen vieler Besitzer schonmal nachhaltig gestört, denn wer will schon hören, dass Hoppel eigentlich ja ein Lebensmittel ist? Da denkt mancher, ich wäre so eine Art Metzger. Wenn, wie so oft, Kinder dabei sind, fällt es mir besonders schwer, dieses Thema anzusprechen. Muss ich die Kinder schocken? Das ist in meinen Augen einfach gesetzgeberischer Murks. Ich denke, wir brauchen keine neuen Gesetze, sondern eine Überwachung und strengere Anwendung der bestehenden.

Heute zum Frühstück lese ich auf dem Titelblatt der Wetterauer Zeitung (18.02.2013), dass schon 2011 ein Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht in England die Behörden informiert hat, dass da was faul ist in Sachen Pferdefleisch. Eigentlich ohne Worte oder doch eines - SUPER :-( Das hat ja toll geklappt mit der Lebensmittelkontrolle.