Freitag, 15. Februar 2013

Typisch? Frau spricht und Mann hört nicht zu ;-)


Frauen behaupten ja immer wieder, dass Männer nicht richtig zuhören und es sind auch schon ganze Bücher darüber geschrieben worden, warum Männer und Frauen sich nicht so richtig verstehen. Ein besonders nettes Exemplar habe ich übrigens vor Jahren mal gelesen. Dass an dieser plakativen These etwas Wahres dran ist belegt ein schönes Beispiel, das wir in der Praxis erlebt haben:

Herrchen kommt mit seinem Labrador-Mix zu uns in die Praxis und berichtet, Frauchen habe ihn geschickt, denn Konni habe eine abgerissene Zehe! Das klingt ja schonmal sehr dramatisch. Eine Blutlache ist aber erstmal nicht zu sehen, und Konni läuft auch fröhlich auf allen vier Pfoten herein, wedelt wie gewohnt freundlich und verlangt sein Leckerchen. Nun ja, das sind wir durchaus gewöhnt, denn hinter der dramatischen Formulierung verbirgt sich meist nur eine ein- oder abgerissene Kralle, also der Zehennagel. Das kann auch erstmal ganz schön doll bluten und weh tut es natürlich auch. Herrchen meint dann noch, er selbst könne aber gar nichts sehen. Aha! Er wisse also auch nicht, welche der vier Pfoten betroffen sei? Hmmh! Wir setzen gemeinsam den Hund auf den Untersuchungstisch und dann fange ich an zu suchen: Vorne rechts - fünf gesunde Zehen, hinten rechts - vier gesunde Zehen, hinten links - vier gesunde Zehen, vorne links - fünf gesunde Zehen. Nirgends kann ich etwas Unnormales entdecken. Komisch! Das Ganze nochmal. Irgendwo muss doch was sein! Frauchen hat ja schließlich etwas gesehen. Bin ich vielleicht überrraschend mit einer ganz akuten Fehlsichtigkeit geschlagen? Mysteriös! Nach einer Weile gebe ich auf. Wir besprechen, dass Herrchen sich zuhause die verletzte Zehe zeigen lässt und sich dann wieder meldet.

Kann gefährlich für die Zähne werden - Labrador Retriever beim Apportieren
Bild aus Wikipedia, 4. April 2007, Nikolas Becker, Lizenz: GFDL


Am nächsten Tag schon ist Herrchen wieder da. Er lacht schon beim Hereinkommen. Es sei ihm furchtbar peinlich, er habe sich schlicht verhört. Frauchen hatte bemerkt, dass ein Zahn abgebrochen war, und ihren Mann beauftragt, uns diesen zu zeigen. Der verletzte Zahn ließ sich dann auch umgehend finden. Am großen Eckzahn (Caninus) rechts im Unterkiefer war ein Teil abgebrochen. Das kann schnell mal beim Apportieren von Stöckchen oder Spielzeug  oder auch bei denjenigen Hunden, die gerne Steine herumtragen, passieren. Zum Glück war jedoch nur die oberste Spitze abgebrochen, ohne dass die empfindliche Zahnhöhle eröffnet war. So musste keine Zahnoperation vorgenommen werden und Konni durfte mit etwas Calciumgel auf der Bruchstelle - und selbstverständlich einem Leckerchen im Magen - wieder nach Hause gehen. Unser nur aus Frauen bestehendes Team hat vorher aber nochmal herzlich mit Herrchen gelacht, die Geschichte wird keiner von uns so schnell vergessen.  ;-)